Gigolo und Gentleman

Der Begriff des Gigolos ist im deutschen Sprachgebrauch längst „verwaschen“. Ursprünglich ein Mann mit Benimm, der sich auch auf dem Tanzparkett zu bewegen wusste, hat ein Gigolo heute eher den Ruf eines Hallodris. Von einer Frau zur nächsten, von einem Bett ins andere und an jedem Finger mindestens eine Geliebte, so oder ähnlich lautet jedenfalls die landläufige Meinung. Trifft das wirklich zu?

Das hängt schlichtweg davon ab, wie man Gigolo definiert. Geht es rein um die Verführungskünste, die bisweilen schon nach kurzer Zeit ins Bett einer schönen Frau führen, trifft die Umschreibung den Nagel auf den Kopf. Dehnt man die nackte Worthülse ein wenig aus und besinnt sich der guten alten Zeit, hat ein Gigolo immer etwas von einem Gentleman. Denn der Erfolg bei der Damenwelt kommt nicht von ungefähr. Außer natürlich, Frauen stehen auf raubeinige Typen, die ohne Umschweife zur Sache kommen und es ihnen einfach nur besorgen, wild, hart und tabulos.

Ansonsten gilt gutes Benehmen nach wie vor als bester Türöffner. Oder schätzen Frauen es etwa nicht, wenn man ihnen die Tür öffnet, höflich und zuvorkommend ist, hier und da ein paar Komplimente einstreut und auf ihre Bedürfnisse eingeht? Dieses Spiel muss ein Gigolo beherrschen, um in seinem Metier Schritt halten zu können. Die Konkurrenz ist groß und die Spreu schneller vom Weizen getrennt, als vielen Herren lieb sein kann. Wer nicht in der Lage ist, zwischen den Zeilen und von den Augen zu lesen, geht gnadenlos unter. Dann ist der erste meist schon der letzte Schritt und heißt es gewissemaßen: alles zurück auf Start.

Dass ein Gigolo mit seiner Art bei Frauen ankommt, ruft gewiss Neider auf den Plan. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass aus dem Gigolo irgendwann der Schürzenjäger geworden ist. Ganz unschuldig sind die Herren daran nicht. Wer sich dazu verleiten lässt, Trophäen zu sammeln und den Gentleman in sich für zwanglosen Sex zu vergessen, muss damit rechnen, in einer wenig schmeichelhaften Schublade zu landen. Von daher: Je größer die Schnittmenge von Gigolo und Gentleman, desto weniger leider der Ruf. Denn ist man erst einmal als männliches Betthupferl abgestempelt, kann man sich die Klinikpackung Kondome künftig sparen und hat der „kleine Gigolo“ öfter mal Pause.

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